12.11.2002

"Wir haben eine Integration, wie sie sein muss"

500 Teilnehmer haben in der Fleiner Gemeindehalle viel Spaß beim Spiel- und Sportfest von Offenen Hilfen und TV Flein

Wie kriegt ein Behinderterdie Tür hinter sich zu? Das konnten Kinder, Jugendliche und Erwachsene selbst ausprobieren beim Spiel- und Sportfest der Offenen Hilfen Heilbronn zusammen mit dem Turnverein Flein in der Fleiner Gemeindehalle.

 Rund 500 Teilnehmer mögen es sein, die zum sechsten Mal - egal ob behindert oder nicht - fröhlich miteinander spielen. Mit einfachsten Mitteln kann man viel erreichen. Vier Partypavillons, zusammengestellt und mit schwarzem Tuch verhüllt, sind da ganz schnell zu einer Geisterbahn zusammengebaut, durch die sich die Besucher von richtigen "Geistern" im weißen Flattergewand mit dem Rollstuhl schieben lassen.
Umgedrehte Sporthallen-Bänke werden so ganz einfach zu Balanciergeräten, und ein paar Blechdosen finden sich immer, nach denen man mit dem Ball werfen kann. Behinderte und Nichtbehinderte sollen in lockerer Atmosphäre miteinander feiern. Das ist der Grundgedanke der jährlichen Sport- und Spielnachmittage in Flein. Jeder aus dem Stadt- und Landkreis kann dazu kommen, Altersgrenzen gibt es keine.
"Inzwischen ist der Spielnachmittag zum Selbstläufer geworden", sagt der Vorsitzende der Offenen Hilfen, Oliver Ertl. Seine Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Angehörige im Stadt- und Landkreis Heilbronn zu machen. Sie betreuen im Unterland gegenwärtig rund 450 Familien, die ihrerseits zuhause Behinderte betreuen.
In Flein haben die Teilnehmer an zwölf verschiedenen Stationen ihre Freude. Auf Wettkampf kommt es dabei nicht an, nur auf den puren Spaß. Am "heißen Draht" kann jedermann testen, ob er eine ruhige Hand hat, an Riechproben seine Nase und an Grabbelsäcken seinen Tastsinn testen. Nichtbehinderte können auf einem Rollstuhl-Parcours ausprobieren, wie es ist, alle möglichen Hindernisse ohne fremde Hilfe meistern zu müssen.
Und zum Schluss erhält jeder Teilnehmer ein kleines Präsent und eine Urkunde. "Das ist für die Leute sehr wichtig", erklärt Ertl. Im Anfang, erinnert sich der Vorsitzende des TV Flein, Wolfgang Glaunsinger, hatten die Erwachsenen bei ihrer Begegnung mit Behinderten eher eine Hemmschwelle zu überwinden als die Kinder. "Die sehen´s einfach lockerer", weiß Oliver Ertl aus seiner Erfahrung. Rund 70 ehrenamtliche Helfer, darunter viele Zivis, betreuten die Teilnehmer des Spielenachmittags. Der TV Flein stellt dabei eher das nahrhafte Element: Verkauft werden gespendete Kuchen, Kaffee und alkoholfreie Getränke. "Für uns ist das so eine Art Sympathiewerbung", sieht es Glaunsinger. Denn mit dem eingenommenen Geld und vor allem mit der Hilfe von Sponsoren werden die Kosten für den Nachmittag gedeckt.
Die fröhliche Begegnung von Behinderten und Nichtbehinderten ist ein voller Erfolg. "Wir haben eine Integration, wie sie sein muss", freut sich der Geschäftsführer der Offenen Hilfen, Hartmut Seitz-Bay.

 
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