|
"Wir haben eine Integration, wie sie sein muss"
 500
Teilnehmer haben in der Fleiner Gemeindehalle viel Spaß beim Spiel-
und Sportfest von Offenen Hilfen und TV Flein
Wie kriegt ein Behinderterdie Tür hinter sich zu? Das konnten
Kinder, Jugendliche und Erwachsene selbst ausprobieren beim Spiel-
und Sportfest der Offenen Hilfen Heilbronn zusammen mit dem Turnverein
Flein in der Fleiner Gemeindehalle.
Rund 500 Teilnehmer mögen es sein, die zum sechsten Mal - egal
ob behindert oder nicht - fröhlich miteinander spielen. Mit einfachsten
Mitteln kann man viel erreichen. Vier Partypavillons, zusammengestellt
und mit schwarzem Tuch verhüllt, sind da ganz schnell zu einer Geisterbahn
zusammengebaut, durch die sich die Besucher von richtigen "Geistern"
im weißen Flattergewand mit dem Rollstuhl schieben lassen.
Umgedrehte Sporthallen-Bänke werden so ganz einfach zu Balanciergeräten,
und ein paar Blechdosen finden sich immer, nach denen man mit dem
Ball werfen kann. Behinderte und Nichtbehinderte sollen in lockerer
Atmosphäre miteinander feiern. Das ist der Grundgedanke der jährlichen
Sport- und Spielnachmittage in Flein. Jeder aus dem Stadt- und Landkreis
kann dazu kommen, Altersgrenzen gibt es keine.
"Inzwischen
ist der Spielnachmittag zum Selbstläufer geworden", sagt der
Vorsitzende der Offenen Hilfen, Oliver Ertl. Seine Organisation hat
es sich zur Aufgabe gemacht, Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung
und deren Angehörige im Stadt- und Landkreis Heilbronn zu machen.
Sie betreuen im Unterland gegenwärtig rund 450 Familien, die ihrerseits
zuhause Behinderte betreuen.
In Flein haben die Teilnehmer an zwölf verschiedenen Stationen ihre
Freude. Auf Wettkampf kommt es dabei nicht an, nur auf den puren Spaß.
Am "heißen Draht" kann jedermann testen, ob er eine ruhige
Hand hat, an Riechproben seine Nase und an Grabbelsäcken seinen Tastsinn
testen. Nichtbehinderte können auf einem Rollstuhl-Parcours ausprobieren,
wie es ist, alle möglichen Hindernisse ohne fremde Hilfe meistern
zu müssen.
Und zum Schluss erhält jeder Teilnehmer ein kleines Präsent und eine
Urkunde. "Das ist für die Leute sehr wichtig", erklärt Ertl.
Im Anfang, erinnert sich der Vorsitzende des TV Flein, Wolfgang Glaunsinger,
hatten die Erwachsenen bei ihrer Begegnung mit Behinderten eher eine
Hemmschwelle zu überwinden als die Kinder. "Die sehen´s einfach
lockerer", weiß Oliver Ertl aus seiner Erfahrung. Rund 70 ehrenamtliche
Helfer, darunter viele Zivis, betreuten die Teilnehmer des Spielenachmittags.
Der TV Flein stellt dabei eher das nahrhafte Element: Verkauft werden
gespendete Kuchen, Kaffee und alkoholfreie Getränke. "Für uns
ist das so eine Art Sympathiewerbung", sieht es Glaunsinger.
Denn mit dem eingenommenen Geld und vor allem mit der Hilfe von Sponsoren
werden die Kosten für den Nachmittag gedeckt.
Die fröhliche Begegnung von Behinderten und Nichtbehinderten ist ein
voller Erfolg. "Wir haben eine Integration, wie sie sein muss",
freut sich der Geschäftsführer der Offenen Hilfen, Hartmut Seitz-Bay.
|